Von Netzelektriker zu Netzelektrikerin: Zwei Berufsgenerationen im Gespräch

Hans und Morgane könnten unterschiedlicher nicht sein. Er ist seit 41 Jahren bei der BKW Power Grid, sie im ersten Lehrjahr. Und doch verbindet beide eine Sache: die Leidenschaft für grosse Kabel und Freileitungen. Im Interview sprechen zwei Mitarbeitende über denselben Beruf in verschiedenen Zeiten.

Morgane, toll, dass du den Beruf als Netzelektrikerin gewählt hast. Was war für dich ausschlaggebend?

Morgane Calgaro: Ich habe mir verschiedene Unternehmen angeschaut, auch einen Blumenladen und eine Karosseriewerkstatt. Ich wusste aber schnell: mir macht die Arbeit draussen mit den Händen viel mehr Spass. Da die BKW in Reconvilier nur wenige Minuten von meinem Zuhause ist, habe ich mich dort als Netzelektrikerin beworben. Ich bereue meine Entscheidung seither keine einzige Sekunde.

Hans, du hast dich vor über 40 Jahren für den Beruf Netzelektriker entschieden und arbeitest seither bei BKW Power Grid. Ist es dir in dieser langen Zeit nie verleidet, Kabel zu ziehen und auf Masten zu klettern?

Hans Kallen: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten in dieser Zeit immer genügend zu tun, da wurde es nie langweilig. (lacht)

Netzelektriker ist immer noch ein von Männern geprägter Beruf. Hast du, Morgane, es schwer als Frau in einer Männerdomäne?

Morgane: Überhaupt nicht. Ich werde von meinen Kollegen nicht anders behandelt, nur weil ich eine junge Frau bin. Vielleicht schauen die Kundinnen mal, weil sie in diesem Beruf keine Frau erwarten. Ganz ehrlich: mir gefällt es, als Frau einen typischen Männerberuf auszuüben und zu zeigen «He, seht her, wir jungen Frauen können das auch». Natürlich habe ich körperliche Limiten. Aber wir unterstützen uns im Team gegenseitig. Auch nicht alle Männer sind in der Lage, allein schwerere Lasten zu heben. (lacht)

Hans, dein Vater war auch Netzelektriker. Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Hans: Mein Vater arbeitete auch schon bei der BKW Power Grid. Ich bin gelernter Maler. In den Beruf bin ich eher hineingerutscht. Denn die Ausbildung zum Beruf Netzelektriker, wie man ihn heute kennt, gibt es erst seit Ende der 1980er Jahre. Zu meiner Zeit war die Ausbildung nicht so aufgebaut wie heute. Man lernte viel in der Praxis und danach machte man eine grosse Abschlussprüfung. Heute ist die Ausbildung viel anspruchsvoller, auch wegen der Sicherheit.

Würdest du wieder Netzelektriker werden, wenn du nochmals jung wärst?

Hans: Auf jeden Fall. Der Beruf ist sehr interessant, vielseitig und abwechslungsreich. Ich mochte es, auf Freileitungen zu klettern oder Kabel zu verlegen. Obwohl – die «Kablerei» hat mir stets mehr Spass gemacht. Heute bin ich allerdings nur noch auf Inspektionen unterwegs.

 

Morgane Calgaro ist 19 Jahre alt und arbeitet seit August 2022 bei BKW Power Grid.
«Mir gefällt es, als Frau in einem Männerberuf zu zeigen: He, seht her, wir jungen Frauen können das auch.»
Morgane Calgaro

Hans, was ist das einschneidendste, was in der Arbeit von heute im Vergleich zu früher anders ist?

Hans: Die Arbeit wurde in den letzten 20 Jahren komplizierter und unpersönlicher. Früher haben wir zum Beispiel von einem Baugeschäft einen Auftrag erhalten, diesen angenommen, ausgeführt und gut wars. Heute ist der administrative Aufwand für uns Netzelektriker vor, nach und während eines Auftrags grösser geworden, auch aus Sicherheitsgründen und aufgrund neuer Vorschriften.

Warum unpersönlicher?

Hans: Der Zeitdruck ist grösser, es bleibt weniger Zeit für die Menschen, sei es Mitarbeitende oder Kunden und Kundinnen. Es wird viel mehr über E-Mail kommuniziert als persönlich von Angesicht zu Angesicht. Aber wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Das akzeptiere ich.

Was können junge Menschen wie du, Morgane, von älteren Mitarbeitenden lernen?

Morgane: Wir Jungen können täglich von der grossen Erfahrung unserer älteren Kollegen profitieren. Das Fachwissen und das spezifische Wissen über die Leitungen und Anlagen ist enorm. Ich bin stolz darauf, dieses Wissen zu erlernen und irgendwann ebenfalls weiterzugeben.

Was denkt ihr, welche positiven Eigenschaften zeichnet eure jeweilige Generation aus?

Hans: Wir geben unsere Erfahrungen gerne weiter. Grundsätzlich können wir den jüngeren Kolleginnen und Kollegen die besten Handgriffe zeigen und generell Tipps geben, wie etwas am besten geht. Es kommt aber immer darauf an, ob das Gegenüber das lernen möchte und zuhören kann. Bei Morgane habe ich da keine Bedenken. Wir haben zudem gelernt, zuerst nachzudenken, und dann zu reden oder zu handeln. Ich finde, das fehlt den jungen Menschen heute manchmal. (lacht)

Morgane: Mich freut vor allem, dass in meiner Generation die Frauen in handwerklichen Berufen besser akzeptiert werden als früher.

Auf was kannst du in deinem beruflichen Alltag nicht verzichten?

Morgane: Ich denke, dass wir heute mehr und bessere Werkzeuge haben als Hans früher. Das ist eine andere Ausgangslage. Wenn ich trotzdem etwas sagen müsste: Ich möchte nicht auf die gute Atmosphäre und den Teamgeist verzichten.

Hans Kallen ist 64 Jahre alt und arbeitet seit Februar 1983 bei BKW Power Grid.
««Heute ist die Ausbildung zum Netzelektriker viel anspruchsvoller, auch wegen der Sicherheit.» »
Hans Kallen

Welche Errungenschaft hat dir den Beruf in den letzten Jahren am stärksten vereinfacht, Hans?

Hans: Unser Netzinformationssystem (NIS) macht uns das Arbeiten definitiv einfacher. Mit den grossen gedruckten Plänen früher ging es auch. Aber eben – heute ist es einfacher und wir haben das ganze Netz auf unserem Handy oder dem Tablet. Überhaupt ist das Handy wichtig für uns. Wenn wir früher Pikettdienst hatten, mussten wir die ganze Woche zu Hause bleiben und das Festnetztelefon «hüten».

Morgane, kannst du dir vorstellen, so wie Hans, 40 Jahre bei der BKW als Netzelektrikerin zu arbeiten?

Morgane: Natürlich kann ich das heute noch nicht abschätzen. Aber ja, wieso nicht? Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg!

41 Jahre BKW Power Grid sind eine lange Zeit, Hans. Auf was bist du besonders stolz?

Hans: Ganz ehrlich: im Beruf auf nichts Besonderes. Ich bin vor allem auf meine Familie stolz.

Was tragt ihr privat oder beruflich dazu bei, euren Lebensraum lebenswert zu machen?

Hans: Ich bin begeisterter Hobbyfussballer und engagiere mich auch im lokalen Fussballverein. Und ich beschäftige mich gerne mit meinen vier Grosskindern. Sie sind mein grösster Beitrag für eine lebenswerte Zukunft.

Und du, Morgane?

Morgane: Ich bin eine fröhliche und meist gut gelaunte Person. Denn mit guter Laune und immer einem Lächeln auf den Lippen geht es einfacher durchs Leben und die Fröhlichkeit ist ansteckend für das Umfeld.